Komponistenjubiläum: 2014 jährte sich der Todestag von Franz Vollrath Buttstett zum 200. Mal ...

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Buttstett komponierte ganze Jahrgänge von Oden, Figuralvespern, Kantaten, Motetten, ferner Oratorien, eine Passion, hunderte Orgelpräludien, 40 Sinfonien, Kammermusiken, Klaviersonaten etc. ...

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2002 erschien eine Auswahl der Kantaten des Jahrgangs 1772–73, 2003 alle erhaltenen Clavierkompositionen, 2004 schließlich eine Auswahl der Motetten in jeweils einer kritischen Ausgabe ...

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Seit Buttstetts Wiederentdeckung 1999 wurde die Qualität von Buttstetts Musik von Veranstaltern und Interpreten mehr und mehr geschätzt ...

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Biografie

Franz Vollrath Buttstett wurde am 2. April 1735 in Erfurt geboren.

Der heute bekanntere Johann Heinrich Buttstett (1666–1727), Musiktheoretiker und Organist in Pachelbels Nachfolge an der Erfurter Predigerkirche, war vermutlich sein Großvater.

Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde Buttstett von Johann Andreas Buttstett, einem nahen Verwandten, erzogen und zeigte Talent: Buttstett spielte mit vierzehn Jahren „ziemlich fertig“ Violine und Klavier und komponierte bereits eigene Stücke. Darüber hinaus brachte er sich das Orgelspielen selbst bei.

In den Jahren 1755–1756 unternahm Buttstett eine Reise durch Deutschland und war währenddessen (wahrscheinlich) eine Zeit lang Schüler des Thomaskantors Johann Friedrich Doles. nach oben

Die Beziehungen und die schriftlichen Empfehlungen seines Vetters ermöglichten die Vermittlung einer Stelle als Stadt- und Hoforganist im fürstlichhohenlohischen Weikersheim. Buttstett übte dieses Amt von 1756 bis 1767 außerordentlich erfolgreich aus. Inzwischen hatte er Margarete Eleonore Adami aus Rothenburg o.d. Tauber geheiratet; das Paar hatte im Verlauf seiner Ehe vier Kinder, von denen aber zwischen 1761 und 1766 drei verstarben.

In diesen Jahren erschienen drei Claviersonaten Buttstetts neben Sonaten von C.Ph.E. Bach, Schaffrath, L. Mozart in Haffners „Œuvres Melées“ in Nürnberg. 1766 bewarb sich der in Süddeutschland durch seine Kompositionen nun schon durchaus renommierte Buttstett in der Heimatstadt seiner Frau um die Nachfolge („spes succendi“) des 76-jährigen, bereits sehr gebrechlichen Organisten Franz Christoph Anschütz an der Rothenburger Hauptkirche St. Jakob und erhielt die äußerst schlecht dotierte „Exspectanz“ auf die Organistenstelle, also den Anspruch auf die Nachfolge Anschützens. nach oben

So zog die Familie bereits 1767 nach Rothenburg; Anschütz allerdings starb erst zehn Jahre später; für Buttstett begann eine materiell und seelisch äußerst quälende Zeit des Wartens, die er indessen musikalisch zu nutzen verstand: Während dieser Jahre überarbeitete Buttstett das Rothenburger Gesangbuch, komponierte Vokal- und Instrumentalmusik, unter anderem seine damals weithin gerühmte Passion (noch 1837 in der „Biographie Universelle des Musiciens“ erwähnt, heute verschollen) und einen vollständigen Kantaten-Jahrgang (1772/1773). nach oben

Mit seinem Amtsantritt 1776 musste Buttstett sich zunächst um die Abzahlung seiner inzwischen angehäuften Schulden kümmern, denn das Wartegehalt hatte die Jahre über kaum zum Leben ausgereicht, „wie ich denn aufrichtig bekennen muss, dass ich nichts mehr zu meiner und der Meinigen täglichen Versorgung habe, sondern dass mir auch dergleichen kummerhafte und rechte Herzerschütternde Nahrungssorgen, welche fast auch meine Fähigkeit der Composition mit hinreißen, in meinem Leben noch nie zuhanden gekommen sind“ – so heißt es in einem seiner zahlreichen Bittschreiben an den Magistrat der Stadt. nach oben

Mit den Jahren nimmt Buttstetts Schaffenskraft ab. Anfang der 1780er Jahre erscheinen kleinere Kompositionen für „Clavier“ in Sammeldrucken (bei Boßler in Speyer). Zwar erhält er noch den Titel eines „Director Musici“, leidet aber unter den alltäglichen und zahlreichen Anforderung seines Dienstes, zu denen auch der Unterricht am städtischen Gymnasium gehört; über seine Schüler, in Sonderheit die städtischen Alumnaten hat Buttstett sich bitterlich beklagt.

In Rothenburg genoss man den inzwischen großen Ruhm des heimischen Musikdirektors, tat aber nur wenig, um ihm die Arbeit zu erleichtern. 1794 starb zudem noch Buttstetts Frau. 1795 heiratete er wieder; nach 13-jähriger Ehe starb auch die zweite Frau. nach oben

Buttstett erblindete im Alter und starb verbittert 1814 in Rothenburg. Nach diesen Hinweisen ist es wenig erstaunlich, dass sich nach 1793 jedenfalls in den Ratsakten keine Angaben über musikalische Arbeiten Buttstetts mehr finden.

Ausführlicher Artikel (aus: Concerto – das Magazin für alte Musik, Oktober 2002) Link hier!

Werke

Von den über 500 Kompositionen Buttstetts (ganze Jahrgänge von Oden, Figuralvespern, Kantaten, Motetten, ferner Oratorien, eine Passion, hunderte Orgelpräludien, 40 Sinfonien, Kammermusiken, Klaviersonaten etc.) sind äußerst wenige Werke erhalten geblieben:

Drei Klaviersonaten in verschiedenen Ausgaben der „Œuvres Melées“, erstmals zwischen 1662 und 1665 bei Haffner in Nürnberg gedruckt; zwei kleinere Clavierstücke und zwei kurze Lieder mit Klavierbegleitung in den 1780er Jahren, gedruckt in Speyer (Boßlers „Blumenlese für Klavierliebhaber“).

Choralsätze aus den Gesangbüchern und den Kantaten sind in Schmidts „Geschichte des Gesangbuches ...“ (Rothenburg, 1928) abgedruckt.

An Handschriften existieren 13 Motetten im Schwäbischen Landesmusikarchiv, zwei Choralbücher zum Rothenburger Gesangbuch von 1774 bzw. 1792 in der Bayerischen Staatsbibliothek und 36 Kantaten im Rothenburger Stadtarchiv. nach oben

vollständige Werkliste Link hier

Editionen

Auf Anregung des Schriftstellers Andreas Nohr, der bei Recherchen in nordbayerischen Bibliotheken zufällig auf den Komponisten Franz Vollrath Buttstett aufmerksam wurde, begann Barbara Kraus, die noch vorhandenen Kompositionen Buttstetts (hauptsächlich Autographen, Abschriften und einige Drucke) in verschiedenen europäischen Bibliotheken zusammenzusuchen, mit dem Ziel, diese fast vergessene Musik neu herauszugeben und dadurch wieder aufführbar zu machen.

2002 erschien eine Auswahl der Kantaten des Jahrgangs 1772–73 (als Erstausgabe nach Autographen), 2003 alle erhaltenen Clavierkompositionen (als erste Gesamtausgabe nach Drucken des 18. und 19. Jahrhunderts), 2004 schließlich eine Auswahl der Motetten (als Erstausgabe nach Autographen und Abschriften) in jeweils einer kritischen Ausgabe. nach oben

Buttstett-Edition nach Autographen, Abschriften und Erstdrucken:

– 6 Kantaten (1772/73), für Chor, Soli, Orch.; Partitur, ISMN-M-700167-08-0, Preis: 23,80 EUR
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– 5 Motetten für Chor und Continuo, Partitur, ISMN-M-700167-27-1, Preis : 12,80 EUR
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– Clavierwerke, Notenausgabe, ISMN-M-700167-25-7, Preis: 19,80 EUR
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– Claviersonaten, Audio-CD, ISMN-M-700167-41-7, Preis 14,90 EUR
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alle Titel erhältlich unter  www.medien-kontor-hamburg.de oder im Fachhandel. nach oben!

Resonanzen

Die Wiederentdeckung des Komponisten F.V. Buttstett verdankt sich weitgehend den historischen Recherchen des Autors Link Andreas Nohr, der den Lebenslauf in seinem Link Roman "Stumpf. Von Städten und Räumen", Verlag J.H. Röll, Dettelbach 1999, verarbeitete und bekannt machte. Dies führte zu Neuherausgaben von Werken Buttetts durch die Hamburger Konzertorganistin Link Barbara Kraus.

Konzertlesungen mit Wiederuraufführungen von Buttstetts Werken:

– 6.7.2002: Kreuzgangserenade im Lilnk Kloster Bronnbach / Württemberg
Link Programm

– 24.3.2003: "Kabinettstücke" - Konzerte auf Historischen Instrumenten im Link Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Link Programm

– 5.9.2004: Elisabethkirche Hamburg-Eidelstedt
Link Programm

– Januar 2008: CD Claviersonaten, Ersteinspielung der erhaltenen Clavierwerke
Link Informationen und Bestellung

– Juli 2014: Buttstett zum 200sten Todestag, St. Jakobs Kirche Rothenburg o.d.T.
Link Programm

Seitdem wurden die Kantaten und Motetten in Gottesdiensten und Konzerten immer wieder aufgeführt. nach oben